Archiv | Mai, 2009

Jenseits der zwei Geschlechter?

28 Mai

Neues von der Internationalen Vereinigung Intergeschlechtlicher Menschen (IVIM):
link

Am 27.Mai 2009 lud die Bundestagsfraktion der Grünen/Bündnis 90 zum Fachgespräch „Wie kann die Situation intersexueller Menschen verbessert werden?“ ein. Diesbezüglich haben wir zusammen mit dem Zwitter-AK des Berliner Vereins TransInterQueer e.V. (TrIQ) ein Informationsblatt entworfen, welches wir auf der Veranstaltung verteilt haben.

Einen längeren Kommentar zu der Veranstaltung werden wir an dieser Stelle noch nachreichen.

Das Faltblatt kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Jenseits der zwei Geschlechter? Verbesserung der Situation von intergeschlechtlichen Menschen durch medizinische Bevormundung?

Stellungnahme von IVIM und dem Zwitter-AK des TransInterQueer e.V. zum Fachgespräch am 27.05.2009 „Wie kann die Situation intersexueller Menschen verbessert werden?“

„Die Behandlungspraxis der Geschlechtsnormierung intersexueller Menschen wirft ethische Fragen auf“, so die Einladung zum heutigen Fachgespräch der Grünen/Bündnis 90-Bundestagsfraktion. Die irreversiblen Entscheidungen von Ärzt_innen und Eltern, die oft die chirurgische Geschlechtsnormierung von Säuglingen und Kindern bedeuten, sollen „auf den Prüfstand“ gestellt werden. Wege zu einem „Leben in Selbstbestimmung und Würde“ für intersexuelle Menschen sollen gefunden werden. Mit der Auswahl der Referent_innen aus Medizin und Psychologie liegt der Schwerpunkt jedoch nicht auf der gesellschaftlichen und politisch-rechtlichen Situation, nicht auf der kritischen Reflexion der herrschenden medizinisch-psychologischen Definitionsmacht und Praxis, sondern auf der Pathologisierung und Bevormundung intergeschlechtlicher Menschen.

Intergeschlechtlichkeit ist kein medizinisches Problem, sondern ein gesellschaftlich-politisches Thema. Nicht die intergeschlechtlichen Menschen und ihre Körper sind das Problem, sondern die medizinisch-psychologische Praxis, bestimmte Menschen als geschlechtlich „fehlgebildet“ darzustellen und unter dem Begriff „Störungen der Geschlechtsentwicklung“, kurz „DSD“, zusammen zu fassen. Die Absicht ist es, sowohl Körper als auch Identitäten chirurgisch, medikamentös und psychologisch im Sinne der Zwei-Geschlechter-Norm zu „vereindeutigen“. Die neue Terminologie DSD zielt darauf, immer mehr Intersexvariationen auf genetischer Ebene nachzuweisen, um dafür einen Behandlungsbedarf zu rechtfertigen. So kann im Rahmen einer humangenetischen Beratung für werdende Eltern auch eine Empfehlung zum Schwangerschaftsabbruch, einer pränatalen Behandlung oder der Rat zum Verzicht auf eine Schwangerschaft gegeben werden.

Schon in den 90ern wies die Arbeitsgemeinschaft gegen Gewalt in der Pädiatrie und Gynäkologie (AGGPG) auf die Menschenrechtsverletzungen der medizinischen Praxis hin, und auf den Zusammenhang von gesellschaftlichen Normvorstellungen und der Sicht auf Intergeschlechtlichkeit als behandelbare und beforschbare „Störung“. Seit Jahren fordern Inter-Menschen und -Organisationen, das Problem als ein gesellschaftliches zu begreifen und Intergeschlechtlichkeit zu entpathologisieren.

Bei dieser Fachtagung wird erneut den sogenannten Expert_innen aus Medizin und Psychologie zuviel Gewicht eingeräumt, was deren Definitionshoheit reproduziert. Das bedeutet einen gravierenden Rückschritt.

Wege jenseits der Zwei-Geschlechter-Ordnung zu mehr Selbstbestimmung und Würde sind nur zu beschreiten mit der Befreiung und Emanzipation intergeschlechtlicher Menschen aus der medizinischen Bevormundung und mit einer ethischen Aufarbeitung, die auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung hinweist.

Intergeschlechtlichkeit muss entpathologisiert und die derzeitige Definitionsmacht der Medizin muss auf tatsächliche medizinische Probleme eingegrenzt werden. Intergeschlechtliche Menschen müssen als Expert_innen in eigener Sache gestärkt werden.

Ebenfalls angehängt waren unsere Forderungen

Advertisements

Eine Frau, ein Bart

25 Mai

No-Norm-Culture auf Brigitte.de

frau mit bart
Mehr als zwanzig Jahre hat Mariam jeden Tag die Härchen um ihren Mund gezupft. Dann beschließt sie: Es reicht. Seitdem darf der Bart wachsen – ihr, einer Frau.

Der 6. August 2008 ist der erste Tag von Mariams neuem Leben, der Beginn ihres Experiments. Dauer: offen. „Zu meinem Bart zu stehen – zu mir zu stehen … Einfach sein wie ich bin“, notiert sie an diesem Tag in ihrem Blog, „das ist die Zukunft.“

Die Vergangenheit, das sind 23 Jahre. In denen hat Mariam versucht, die Härchen in ihrem Gesicht loszuwerden, hat epiliert, gewachst, verödet. Schmerzhaft war jede der Methoden gewesen, längerfristig zufrieden stellend keine.
mehr…

%d Bloggern gefällt das: