Archiv | Juni, 2008

Das Ende der Intersex Society of North America (ISNA)

30 Jun

Am Wochenende erreichte uns die Nachricht vom endgültigen „Schliessen der Tore“ der US-amerikanischen Gesellschaft für Intersexuelle, die 1993 von Cheryl Chase (heute weiss herm, dies war ein Pseudonym von Bo Laurent) ins Leben gerufen wurde, um nun von der gleichen Person zu Grabe getragen zu werden.

Der Paradigmenwechsel bei ISNA begann wohl schon weit vor dem Consensus Treffen in 2005, an dem u.a. Cheryl Chase und eine internationale Gruppe von Wissenschaftler_innen, Mediziner_innen und Psycholog_innen beteiligt waren. Dort wurde die Einführung des Konzeptes der „Störungen der Geschlechtsentwicklung“, kurz DSD (Disorders of Sexual Development) beschlossen. Das Ergebnis dieses Consensus Treffens verursachte einen großen Aufschrei innerhalb der Community und bedeutete für uns WELTWEIT, die sich für eine gesellschaftliche Akzeptanz und Aufklärung einsetzen, einen gewaltigen Rückschlag.

Wie konnte es passieren dass eine grassroots-Organisation, die „von und für“ intergeschlechtliche Menschen gegründet wurde und sich dem Kampf gegen die kulturelle Vorstellung der zwei Geschlechter widmete, in einem Zeitraum von 15 Jahren in einer Allianz aufgeht, deren primäres Ziel es ist, eine Kollaboration zwischen Wissenschaftlern, Medizinern und Psychologen und Menschen mit „Störungen der Geschlechtsentwicklung“ (DSD) und deren Angehörige zu erleichtern?

Diese und andere Fragen stellen sich sicherlich nun auch im deutschsprachigen Raum, für den ISNA in vielen Fällen auch eine Negativ-Folie war und ein Beispiel dafür, in welche Richtung es vielleicht besser nicht gehen sollte.

In ihrer „Abschiedsnachricht“ macht ISNA deutlich, dass diese erstrebte Zusammenarbeit mit DSD-Spezialisten nur erfolgreich sein kann, wenn ISNA ihren Aktivistenballast (und offenbar die dazugehörigen Aktivist_innen) hinter sich lässt, um von den neuen Wunschpartnern ernst genommen zu werden. Eine neue Organisation musste her: Accord Alliance.

Seit spätestens 2004 propagierte ISNA die Meinung, der gesellschaftliche Umgang mit intergeschlechtlichen Menschen hätte nichts mit Gender zu tun: die Frage, wie wir in unserer Kultur ein Zwei-Geschlechter-System aufrecht erhalten und ständig untermauern müssen, in dem unser Ausdruck von Geschlecht (gender expression) in Übereinstimmung sein muss mit unseren körperlichen Konstitutionen, und desweiteren unsere geschlechtliche Identitäten, sexuelle Orientierungen, und ebenso unsere Körper an einer Hetero-Norm gemessen werden.

ISNA distanzierte sich somit schon früh von jenen Aktivist_innen, die sich für ein drittes Geschlecht, oder für die Abschaffung von Geschlecht einsetzten und verwob die praktische Frage nach einer Geschlechtszuweisung intergeschlechtlicher Kinder mit der Kritik an einer binär-normierenden Kultur.
Dieses gravierende (und strategische) Missverstehen von gesellschaftlichen Forderungen nach einer kritischen Selbstreflektion der Geschlechterverhältnisse und deren direkter Zusammenhang mit dem Konstruieren der „Störung der Geschlechtsentwicklung“ zeigte schon den Weg auf, den ISNA nun beendet hat.

In der neu gegründeten Allianz ist keine Rede mehr „von und für“ intergeschlechtliche Menschen da zu sein, sondern was bleibt ist pures DSD – die Störungen haben ein neues Zuhause gefunden.

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„EXKLUSIV – DIE REPORTAGE“ am 17. Juli 2008 um 23:10 Uhr

3 Jun

Mal schauen wo der Satz
„…Mit Hilfe von Hormonbehandlungen und chirurgischen Eingriffen ist es möglich, die Entwicklung eines solchen Menschen entweder zum einen oder anderen Geschlecht weitgehend zu vervollständigen. Dadurch haben sie die Chance, als normale Männer oder Frauen aufzuwachsen. …“
hinführen soll…

Externe PRESSEMITTEILUNG
(Quelle)

Thema der Sendung: „Nicht Frau, nicht Mann! Mein Leben als Zwitter“
Am Donnerstag, den 17. Juli 2008 um 23:10 Uhr

(lifepr) Grünwald, 03.06.2008 – Hermaphroditos war in der griechischen Mythologie der Sohn des Hermes und der Aphrodite – ein hübscher, aber sehr prüder Jüngling. Als er die Liebe einer Nymphe zurückwies, umarmte diese ihn so leidenschaftlich, dass die Körper der beiden verschmolzen. Auch heutzutage gibt es Menschen, die sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale aufweisen – sogenannte Zwitter oder Hermaphroditen. Mit Hilfe von Hormonbehandlungen und chirurgischen Eingriffen ist es möglich, die Entwicklung eines solchen Menschen entweder zum einen oder anderen Geschlecht weitgehend zu vervollständigen. Dadurch haben sie die Chance, als normale Männer oder Frauen aufzuwachsen. „EXKLUSIV – DIE REPORTAGE“ besucht fünf Menschen, die erzählen, wie sie mit ihrer Zwittrigkeit umgehen.

Als Anjas Periode mit 17 Jahren immer noch ausblieb, gingen die Eltern mit ihr zum Arzt.Sie wurden mit einer schockierenden Diagnose konfrontiert: Ihre Tochter ist eine sogenannte XY-Frau – ein Zwitter. Die Mediziner versuchten aus ihr eine „echte Frau“ zu machen und gaben ihr weibliche Hormone, die sie nicht vertragen hat. Heute kämpft Anja für die Anerkennung des dritten Geschlechts, da sie weder Mann noch Frau sein will.

Christiane dagegen möchte endlich wie eine Frau leben und aussehen. Die 45-Jährige lebt in einem künstlich vermännlichten Körper, begleitet von psychischem und physischem Leid, voller Demütigungen und Missachtung. Den Prozess gegen den Mediziner, der ihr die weiblichen Organe vor langer Zeit ohne Einwilligung entfernt hat, gewann Christiane. Nach einem harten Kampf bekam „Thomas“ den Eintrag „weiblich“ in seinem Personalausweis genehmigt und begann als „Christiane“ ein neues Leben. „EXKLUSIV – DIE REPORTAGE“ erzählt sie ihre Geschichte…

Leidensgenossin Andrea hat den Verwandlungsprozess schon mit Ende 20 vollzogen.Gesundheitlich geht es ihr schlecht. In wenigen Jahren droht der Frau der Rollstuhl. Sie fühlt sich als Versuchsratte der Mediziner, da es ihre Form vom Hermaphroditismus nur vier Mal in Deutschland gibt. Trotz Chemotherapie lässt sie sich nicht unterkriegen und wird bald ihren Freund Ingo heiraten, der Andrea noch als Michael kannte.

Auch Claudia und Frances haben geheiratet. Beide sind intersexuell. Claudia ist laut Pass ein Mann, obwohl sie 63% weibliche Chromosomen hat und Frances ist amtlich eine Frau, aber laut Chromosomensatz ein Mann. Ihnen macht in Sachen Intersexualität keiner mehr was vor. Zurückgezogen vom öffentlichen Leben fühlen sich die beiden in ihrem Angelgeschäft richtig wohl.

„EXKLUSIV – DIE REPORTAGE“ am 17. Juli 2008 um 23:10 Uhr Weitere Informationen finden Sie unter http://www.rtl2-presse.de

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